Kreuzungen der Verletzbarkeit

Fotocredit: Michael Mazohl mit freundlicher Genehmigung der Integrationswoche

Für Freiheit und Gleichheit einzutreten geht nur im Geiste der Solidarität. Warum die Auszeichnung mit dem MigAward 2018 eine besondere Bedeutung hat.

Das Ziel der Integrationswoche und des MigAwards ist es, ein Zeichen für das positive, friedliche Zusammenleben von in Österreich lebenden Menschen zu setzen. Österreich war immer schon ein Einwanderungsland, wenn auch mit einem – gelinde gesagt – geringem Bewusstsein über diese Jahrhunderte alte Realität. Seit jeher versuchten insbesondere Menschen, die nicht den Normvorstellungen entsprachen in Großstädten (manchmal des eigenen, manchmal eines anderen Landes) eben jene Freiheit unter Gleichen zu finden, die ihnen in ihren Familien, in ihren Religionen oder Herkunftsländern verwehrt blieb. Lesbische, bisexuelle, schwule, trans- und intergeschlechtliche Menschen kommen und kamen nach Österreich als Arbeitsmigrant_innen und als Verfolgte. Und es ist gut, dass sie kamen.

LGBTIQ Migrant_innen und Geflüchtete haben neben dieser Sehnsucht nach Freiheit unter Gleichen ebenso ein Begehren nach Sicherheit, nach Schutz der physischen wie psychischen Integrität, etwas das ihnen weder von der sogenannten Aufnahmegesellschaft noch von ihren Herkunftscommunitys gewährt wird. Trans- und Homofeindlichkeit ist eine Konstante in den Mehrheits- wie Minderheitsgesellschaften, Rassismus und Islamophobie nicht nur in der Gesellschaft an sich, sondern auch ein in der LGBTIQ Community weit verbreitetes Phänomen. Für People of Color LGBTIQ, für geflohene oder freiwillig migrierte LGBTIQ stellt sich die Frage, ob es die Freiheit unter Gleichen überhaupt gibt. Und wenn ja, unter welchen Gleichen?

So kann es Freiheit und Gleichheit in einer Demokratie nur geben, wenn im Geiste der Unteilbarkeit der Menschenrechte eine umfassende solidarische Praxis entwickelt wird, die weit über das bloße Tolerieren hinausgeht.

Die Queer Base ist nur eine von vielen Organisationen, Gruppen und Einzelpersonen, die an dieser Schnittstelle arbeiten, u.a. MiGay – Plattform für queere Migrant_innen, ORQOA – Oriental Queer Organisation Austria, ARA – Afro Rainbow Austria. Wir sind hier, um eine solidarische Gesellschaft zu entwickeln, in der sich niemand mehr entscheiden muss unter welchen Gleichen jemand welche Anteile ihrer Persönlichkeit verstecken, oder unter welchen Gleichen ein Schutzschild gegen verletzende Sprache hochgefahren werden muss.

Wir sind hier, trotz der Verletzungen. Wir sind gekommen, um zu bleiben.

Danke an Integrationswoche, AlphaPlus und an alle Migrant_innen, die für uns abgestimmt haben.

Und schließlich: Für Jelena, Miss BallCanCan, die im Februar 2018 an dieser Kreuzung der Verletzbarkeit zerbrach. Rest in Power.

 

© Fotocredit Michael Mazohl mit freundlicher Genehmigung der Integrationswoche